Rechtswissenschaften

Du spielst also mit dem Gedanken ein Jurastudium zu beginnen oder willst dich generell darüber informieren? Super! Trotz all den Vorurteilen gegenüber den Rechtswissenschaften hast du es bis hierhin geschafft und lässt dich nicht abschrecken. Nun musst du dir bewusst werden, was bei solch einem zeitintensiven Studium auf dich zukommt und ob du bereit bist diese Zeit auch zu investieren. Natürlich hat man als Schüler erstmal keine Ahnung, was wirklich auf einen zukommt und du weißt womöglich nur, dass du "irgendwas mit Recht" machen möchtest. Um dir jetzt klar zu werden, ob das reine Jurastudium wirklich etwas für dich ist, erhältst du im Folgenden erste, grundlegende Informationen.

Was braucht man für ein Jurastudium?

Um für ein Jurastudium zugelassen zu werden, ist die Allgemeine Hochschulreife essentiell. In einigen Universitäten ist hier ein guter Abiturdurchschnitt von hoher Wichtigkeit. Der benötigte Numerus Clausus (NC) für die Zulassung zum Jurastudium schwankt stark zwischen den jeweiligen Standorten. Einige Städte wie unter anderem Trier, Passau und Würzburg haben sogar überhaupt keine Zulassungsbeschränkungen.

Wie lange dauert ein Jurastudium?

Das Studium der Rechtswissenschaften ist eines der längsten Studiengänge in Deutschland, da es in der Regel neun Semester umfasst und damit viereinhalb Jahre dauert. Man kann das Studium aber auch schon früher oder auch später mit dem Staatsexamen abschließen, vorausgesetzt man besteht. 

Wie läuft ein Jurastudium ab?

Das Studium gliedert sich in Grund- und Hauptstudium. Bürgerliches Recht, sowie Öffentliches Recht und Strafrecht sind Inhalte der ersten vier Semester, welche mit einer Zwischenprüfung abgeschlossen werden. Das darauffolgende Hauptstudium dauert 5 Semester und beinhaltet einen vom Studenten selbst gewählten Schwerpunkt wie z. B. Medienrecht oder Kriminalwissenschaften. Darauf folgt dann das erste Staatsexamen. Auf das bestandene Staatsexamen folgt ein zwei Jahre langes Referendariat, welches beispielsweise bei Amtsgerichten, der Staatsanwaltschaft oder auch bei einer Behörde absolviert werden kann. Wichtig hierbei ist, dass es bei verschiedenen Stellen absolviert werden muss, einem staatlichem und einem privaten Arbeitgeber. Am Ende der zwei Jahre steht das zweite Staatsexamen mit bis zu elf Klausuren und einer mündlichen Prüfung an. 


Juhu! Endlich kannst du dich Volljurist:in nennen und deine juristische Ausbildung ist vollendet. Ausdauer, Leistungsbereitschaft und ein tiefes Interesse am Recht sind also hier ein großes Kriterium, du solltest dir also schon im Klaren sein, dass du dich für eine lange Zeit dem Studium hingeben musst. Trotzdem ist nicht gleich alles in Stein gemeißelt und wenn du das Studium anfängst und merkst, dass es doch nichts für dich ist, ist es immer möglich den Studiengang noch einmal zu wechseln. Wenn dich der Umgang mit Rechtsfragen jedoch sehr erfüllt, können es unglaublich interessante Jahre deines Lebens werden, in denen du sehr viel lernen wirst. 

Infobox Volljurist: 

Volljurist ist die Bezeichnung für eine Person mit der Befähigung zum Richteramt. Das bedeutet in Deutschland, das jemand Jura studiert hat und das erste sowie das zweite Staatsexamen absolviert und erfolgreich bestanden hat. Als Volljurist hat man eine breite Auswahlmöglichkeit an Berufen: Notar, Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Richter, Rechtsberater. 
Grundsätzlich kann man auch juristische Berufe direkt nach dem Studium ausführen, allerdings benötigt es z.B. für das Richteramt und viele andere juristische Tätigkeiten eine zweijährige Praxisausbildung, das Referendariat, mit einem anschließenden zweiten Staatsexamen. 

Wo kann man Rechtswissenschaft studieren?

  • Man kann Jura in so gut wie jeder größeren Stadt in Deutschland studieren: Köln, München, Leipzig, Nürnberg, Bonn, u.v.m.
  • Beliebteste Unistandorte: Passau (im Bild), Bayreuth, Bielefeld, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Jena
  • Studium auch im Ausland möglich

Was sind die Aufgaben eines Juristen?

  • Frühzeitiges Erkennen von rechtlichen Problemen und deren Lösungsfindung 
  • Mögliche Streitigkeiten gezielt vermeiden
  • Bei Vertretung einer Privatperson: ständige Verfügbarkeit für rechtliche Fragestellungen jeglicher Art 
  • Bei Anstellung in einem Unternehmen: fokussieren auf nur einen spezifischen Bereich (z. B. Arbeitsrecht, Vertragsrecht, …)
  • Erstellung auch von komplexen Verträgen
  • Rechtsvertretungen vor Gerichten oder Behörden 

Was verdient man als Jurist? 

Es gibt viele Faktoren, die das Gehalt beeinflussen, wie unter anderem der Standort, die Größe des Arbeitgebers, der Grad des Abschlusses und natürlich die Berufserfahrung. Speziell bei Juristen ist es zudem ausschlaggebend, ob diese in Unternehmen oder beim Staat angestellt sind. Das durchschnittliche Monatsgehalt eines Juristen liegt zwischen 2.500 und 8.000 Euro brutto. Mit zunehmender Erfahrung steigt auch das Einkommen, bei hervorragenden Leistungen, Engagement und einer Anstellung in einem großen Unternehmen sind auch höhere Beträge denkbar. In der freien Wirtschaft ist dem keine Obergrenze gesetzt und sogar fünfstellige Monatsgehälter kommen vor. 
Das heißt: Das Gehalt eines Juristen ist in den meisten Fällen mindestens solide. Nach oben gibt es aber je nach beruflicher Ausrichtung viel Spielraum. 

Wie sind die Berufsaussichten?

Die Berufsaussichten für Juristen sind auf der einen Seite erfreulich, da Rechtsberater in der heutigen Zeit immer gebraucht werden. Wer allerdings ein schlechtes Examen hat, bekommt meist Schwierigkeiten, eine Stelle zu finden. Das gilt aber für die meisten Studiengänge. Als Jurist muss man aber nicht zwangsläufig als Anwalt oder Rechtsberater arbeiten, sondern kann beispielsweise in der Unternehmensberatung, im Personalwesen und in verschiedene Formen von Management-Positionen tätig werden. 

Welche Aufstiegschancen gibt es?

In kleinen Kanzleien sind die Aufstiegschancen relativ gering, da es wenig Führungspositionen gibt, der Einstieg als Partner kann aber einfacher sein. Bei größeren Kanzleien hingegen stehen die Chancen für einen beruflichen Aufstieg besser. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich in eine Kanzlei einzukaufen und Partner zu werden. In jeder Form von Selbständigkeit hängen die Potenziale vom eigenen Können und Erfolg ab. Dabei steigt aber auch das Risiko.  

Wie schwer ist das Studium?

Jura ist nicht umsonst einer der schwierigsten Studiengänge. Um Jurist zu werden muss schon früh Selbstdisziplin vorhanden sein, denn die Lerngrundlagen können nur durch diszipliniertes Arbeiten erlernt und später im Beruf auch richtig angewandt werden. Im Jurastudium baut alles aufeinander auf, weshalb es nicht ratsam ist, einzelne Semester  schleifen zu lassen.

Was bietet mir der Beruf des Juristen?

- Abwechslung: immer neue Verordnungen und Erlasse, in die sich der Rechtsberater gut einarbeiten muss

- Vielschichtigkeit: große Anzahl an möglichen Klienten mit verschiedenen Ansprüchen

- Soziale Kontakte: Kommunikation mit Klienten ist sehr wichtig

Wieso brechen so viele das Studium ab?

Die Abbrecherquote im Jurastudium ist  weitaus höher als in vielen anderen Studiengängen. Jura ist oft eine Notlösung für diejenigen, die nicht wissen, was sie studieren sollen. Man braucht keine speziellen Fachkenntnisse wie Mathematik oder Physik für dieses Studium. Doch was nach außen so leicht und trocken aussieht, ist in Wirklichkeit viel schwieriger. Wer nicht von Anfang an richtig dabei ist, hat so gut wie keine Chance, die Staatsexamen zu bestehen. Es fordert viel Motivation, Durchhaltevermögen und Stärke, ein Jurastudium zu bestehen. Viele lassen sich von sehr komplexen Übungsfällen und Inhalten, die nicht im ersten Moment verstanden werden, zu sehr unter Druck setzen. Dabei sind die Herausforderungen bewusst so hoch gesetzt, um ein zusätzliches Auslesekriterium zu schaffen. Denn auch im späteren Berufsleben muss man in der Lage sein, unter Druck zu funktionieren. Die Ansprüche an einen Juristen sind also sehr viel höher als man denkt.
Das braucht dich nicht abzuschrecken, immerhin haben es trotzdem ja auch viele vor dir geschafft. Mach dir nur bewusst, dass du viel Arbeit investieren musst. 

Was muss man für das Studium mitbringen? Auf einen Blick:

Dein Charakter und deine Person sind unglaublich wichtig, um ein Jurastudium erfolgreich zu absolvieren. Hier listen wir dir nun einige Eigenschaften auf, die du mehr oder weniger bei dir erkennen solltest. Trotzdem musst du nicht jede einzelne zu 100% erfüllen!

  • Belastbarkeit 
  • Ausdauer 
  • Durchhaltevermögen 
  • Lernbereitschaft             
  • Freies Sprechen, Präsentieren 
  • Kommunikationsstärke 
  • Überzeugungskraft 
  • Verantwortungsbewusstsein 
  • Sorgfältige Arbeitsweise


Das Wichtigste ist, dass du das Studium ernst nimmst. Jura ist ein spannendes Fach an dem du sehr viel Freude haben kannst, man studiert es aber nicht mal so nebenbei, sondern muss voll dabei sein. 

Außerdem brauchst du:

  • Gute Deutschkenntnisse! 
  • Grundverständnis für politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche Zusammenhänge
  • Textverständnis und die Bereitschaft viel zu Lesen
  • Weitere Sprachkenntnisse von Vorteil, z. B. Englisch

Die Anforderungen im Detail

Belastbarkeit und Lernbereitschaft

Das Studium wird sehr intensiv sein und du wirst dich darauf einstellen müssen viel Zeit mit Büchern und generell beim Lernen zu verbringen. Bist du bereit auch deine Freizeit mal zurückzustellen?

Ausdauer und Durchhaltevermögen

Diesen Punkt haben wir bereits ausführlich unter der Studiendauer beleuchtet. Kannst du dir vorstellen diese Zeit in dein Studium zu stecken auch wenn deine Freunde vielleicht schon lange arbeiten oder mit ihrem Studium fertig sind?

Präsentieren, freies Sprechen und Kommunikationsstärke:

Du solltest kein Problem damit haben Diskussionen zu führen und deinen Standpunkt vor anderen zu vertreten. Als Jurist/in musst du später gut argumentieren können und überzeugend wirken, da ist übermäßige Schüchternheit keine Hilfe. Mach dir aber bitte keinen Stress bei diesem Punkt, denn zu Beginn ist man natürlich noch sehr jung und lernt mit der Zeit sich richtig auszudrücken, was einen ja auch das Studium lehrt. Was noch nicht ist, kann mit Sicherheit noch werden!

Interesse an gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen: 

Oft sind die Fälle mit denen du dich besonders zu Beginn deines Studiums auseinandersetzt sehr alltagsnah. Auch Diskussionen haben oft einen politischen/gesellschaftlichen/wirtschaftlichen Zusammenhang.

Gute Deutschkenntnisse und ein Textverständnis für komplexe, juristische Sprache: 

Die Gesetzte wirst du auf Deutsch kennenlernen und damit ist es von großer Bedeutung diese auch zu verstehen. Die juristische Sprache ist dazu oft sehr verschachtelt und sehr genau, weshalb du grundsätzlich aufmerksam lesen können solltest. Die präzise Unterscheidung ähnlicher Begriffe, die in der Umgangssprache eigentlich identisch genutzt werden, kann im Bereich des Rechts von sehr großer Bedeutung sein.

Mathematik und Fremdsprachen 

Das Rechnen an sich ist hier weniger wichtig, eher zählt die Systematik. Wie gehe ich an Aufgaben heran? Die Lösung der mathematischen Aufgaben hat eine bestimmte Abfolge und auch in der Rechtswissenschaft sind diese nach einer konkreten Reihenfolge zu bearbeiten und haben ein bestimmtes Muster. Fremdsprachen sind soweit interessant, dass es zum Beispiel auch internationale Rechtsgebiete zur Spezialisierung gibt. Falls du dies anstrebst, solltest du auch in Englisch gut dabei sein. Die meisten Unis bieten auch eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung, z.B. Rechtsenglisch. Da gibt es viele Fachbegriffe, die man aus dem normalen Sprachgebrauch gar nicht kennt. 

Fazit: Ist das Jurastudium nun so trocken und schwierig wie alle sagen?

Grundsätzlich ist diese Frage mit einem klaren Nein zu beantworten. Die Rechtswissenschaft ist genauso trocken wie jedes andere Studium, wenn sie einen nicht interessiert. Begeisterung für die jeweilige Studienrichtung ist immer mitzubringen und ein Jurastudium ist alles andere als trocken, wenn die Studierenden in ihrem Fach richtig aufgehen können. Der Schwierigkeitsgrad ist außerdem ein persönliches Empfinden, jedoch muss man hier zugeben, dass die Abbrecherquoten oft für sich sprechen, wohl aber auch weil viele Menschen nicht genug informiert sind über das, was sie schlussendlich erwartet. Dem Staatsexamen ist jedoch mit Respekt entgegenzusehen, da es nicht einfach werden wird und man deshalb immer von Anfang an im Studium mitlernen muss und das Studium auf keinen Fall schleifen lassen darf.  

Wir hoffen, dass du nun einen guten Überblick über die Rechtswissenschaften erlangen konntest und wünschen dir weiterhin viel Erfolg, falls du im Moment noch dein Abitur machst und viel Spaß bei weiteren Recherchen.